Öffentlichkeitsarbeit

Warnhinweis: Es gibt sie – die Zeitgenossen, die keinen Spaß verstehen. Sollten Sie dazugehören, lesen Sie bitte nicht weiter.
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Sechs Fragen an die Feuerwehr

Von Dr. Jens Müller

Liebe Leserin, lieber Leser,
sicher haben sie schon einmal ein Feuerwehrauto gesehen. Meistens in schickem Rot gehalten und mit drehenden oder blitzenden Lichtern auf dem Dach, neuerdings auch am Kühler. In Wien wurde eine Umfrage durchgeführt, welche Farbe das Blaulicht der Feuerwehr habe. Erschreckend: Die Mehrheit wusste es nicht. Aus diesem kühlen Grunde ein paar Basisinfos.

Schon Hunderte von Halbwüchsigen und Ausgewachsenen habe ich durch diverse Feuerwehrhäuser geführt, weil die Uniformen so schnuckelig, die Autos so toll lackiert sind oder man mit der Vorschule nichts Besseres anzufangen wusste. Bis zum Erbrechen habe ich immer wieder dieselben Fragen beantworten müssen. Aus diesem Grunde die Basisinfos in schriftlicher Form.

War ich in einem Haus der Freiwilligen Feuerwehr, hießen die Fragen des Publikums:

  1. Trinkt ihr viel Alkohol (meistens mit einer eindeutigen Handbewegung, gluck gluck)?
  2. Legt ihr nicht eure Brände selber (mit einem schelmischen Schmunzeln)?
  3. Wie viel Geld bekommt ihr für euren Dienst (eher zurückhaltend)?

War ich mit Gästen in einer Wache einer Berufsfeuerwehr, hießen die Fragen:

  1. Seid ihr nicht alle Beamte (verhohlen vorwurfsvoll)?
  2. Was macht ihr mit eurer Freizeit im Dienst (wirklich interessiert)?
  3. Was macht ihr mit euren Alten (etwas mitleidig)?

Wir wollen gerne darüber hinwegsehen, dass es unanständige Fragen gibt und wohlwollend annehmen, dass es keine dummen Fragen gibt. Wenn ich z.B. einen Minister beim Staatsempfang frage, ob er Feinrippunterwäsche mag, ist das unanständig. Dumm sind die Fragen nach pseudowissenschaftlichen Sendungen im Privatfernsehen: Wie sieht rote Wandfarbe aus? Antwort A: Rot, Antwort B: Blau. Rufen sie an, für 49 Cent aus dem Festnetz.

Nun schnell zu den Antworten; Sie haben nicht viel Zeit. In aller gebotenen Kürze zu den Fragen, die Freiwillige Feuerwehr betreffend:

Zu 1. Natürlich trinken wir viel Alkohol. Deshalb steht neben jedem Feuerwehrhaus eine Brauerei. Große Feuerwehren haben eine eigene Pipeline oder holen das Bier mit einem Tanklöschfahrzeug. Nur bei einem von zehn Einsätzen ist wenigsten der Fahrer nüchtern. Worauf wir bauen: Mit Blaulicht hält dich eh keiner an.

Zu 2. Natürlich legen wir Feuer selber. Sonst hätten wir ja nichts zu tun. Nur deshalb brauchen wir eine solide Ausbildung in Brandprozessen. Wir freuen uns über jeden Perversen in unseren Reihen und füllen ihm das Benzin in handliche Kanister ab. Wegen der gestiegenen Spritpreise sind wir leider immer mehr auf Sponsoren angewiesen.

Zu 3. Und schließlich die Geldfrage: Jeder bekommt 1.000 Euro im Monat, der Wehrleiter 2.000. Das ist ja der Grund, warum wir die Arbeit überhaupt machen. Soll sich der Schützenverein für Nass abrackern. Das Geld können wir wiederum versaufen (siehe 1.) oder in Benzin investieren (siehe 2.).

 

Nun zu den Antworten für die Berufsfeuerwehr:

Zu 1. Ja, wir sind alle Beamte und haben deswegen nicht mal ein schlechtes Gewissen. Beamte sind das Krebsgeschwür im deutschen Staatsapparat und scheffeln Kohle ohne Ende. Wer ein wenig spart, kann es schon nach zehn Dienstjahren zu einem kleinen Atoll im Pazifik bringen, nach zehn weiteren Jahren zur Luxusyacht. Aber unter uns: Wenn sie selber ein Beamter wären, würden sie auch keinen Wind darum machen – oder?

Zu 2. Unsere Freizeit im Dienst ist lang und heilig. Wir dämmern einem Einsatz entgegen, inzwischen nehmen wir Vollbäder, kochen Drei-Gänge-Menüs und wachsen unsere Privatautos. Wir müssen nur aufpassen, dass der Chef uns das nicht vom Urlaub abzieht. Fortbildung haben wir nicht nötig; der Trend zum lebenslangen Lernen geht an uns vorüber. Schließlich braucht man zum Wasserspritzen, Türeneintreten und Pflasteraufkleben nicht viel auf dem Kasten haben. Unsere Autos brauchen keine Pflege. Gehen sie kaputt, gibt´s neue. Sind doch nur Steuergelder.

Zu 3. Unsere Alten hegen und pflegen wir. Wir lassen sie beim Tierpräparator ausstopfen und an den Fensterplätzen mitfahren. Wir sind so viele, dass im Einsatz eh nicht auffällt, wenn nicht alle aussteigen. Außerdem brauchen wir Leute, die einfach nur Ruhe ausstrahlen. Notfalls müssen unsere Dienstanfänger einen Zacken schneller laufen, damit man einen für zwei hält. Wenn´s gar nicht mehr geht, bleibt immer noch der Innendienst. Den Beamtendreikampf „Knicken-lochen-abheften" beherrschen wir alle.

Wenn sie diese Antworten befriedigen, lesen sie bitte nicht weiter. Falls sie bis hierher nicht gemerkt haben, dass etwas faul ist, können sie ruhigen Gewissens darauf verzichten, jemals überhaupt wieder etwas zu lesen. Es wird sie nicht wirklich weiter bringen. Falls doch, hier einige Insider-Informationen, zunächst wieder für die Freiwillige Feuerwehr:

Zu 1. Ja, wir trinken Alkohol nach unserem Dienst. Das liegt daran, dass unsere Schulungen stattfinden, wenn der Rest von Deutschland im Wachkomazustand seine täglichen dreieinhalb Pflichtstunden vor der Glotze abreißt. Ein bis zwei Bier, mehr geht schon deshalb nicht, weil wir am nächsten Morgen wieder pünktlich auf der Matte (will sagen in der Firma) stehen müssen. Mag sein, dass auch einmal eins über den Durst getrunken wird. Wir kommen uns dabei aber immer noch besser vor, als die scheinheiligen Nichtstuer, die von ihrem gepolsterten Fensterbrett und hinter der Gardine unsere Einsatzübungen beäugen und kommentieren, wie die Supergescheiten von der Sportschau ein Fußballspiel.

Zu 2. Ja, es gibt Brandstifter in den Reihen der Feuerwehr. Genauso wie es Steuersünder im Finanzamt, Raser bei der Polizei und Bockwurstesser im Reformhaus gibt. Meistens ist es nicht die krankhafte Freude am Feuer selbst, sondern die Suche nach Bestätigung durch die Kameraden nach Glanzleistungen in selbstgeschaffenen Gefahrensituationen. Glauben sie mir, wir sind auch nicht glücklich, wenn unser Ruf beschädigt wird. Deshalb gibt es für Brandstifter bei uns auch keine extra schönen Orden, sondern einen Tritt in den Hintern und die Beförderung, nicht zum Brandmeister, sondern vor die Tür.
Leider können wir es uns auch nicht leisten, nur Deutschlands Eliteschüler und Musterknaben aufzunehmen. Die kommen nämlich wegen der Verschmutzungsgefahr der Hände kaum zur Feuerwehr. Deshalb nehmen wir meistens, was gerade kommt.

Zu 3. Jetzt müssen sie ganz tapfer sein. Falls sie im Stehen lesen, setzen sie sich. Wir bekommen nämlich tatsächlich kein Geld für unseren Dienst. Falls wir doch ein paar Euro erhalten, soll das dafür entschädigen, dass dauernd unser privates Telefon, unser PC, unser Auto und unsere private Waschmaschine für dienstliche Zwecke herhalten müssen. Somit sind wir mit den Ehrenamtlichen in den privaten Hilfsorganisationen und dem THW die letzten Spinner auf weiter Flur und so etwas wie Dinosaurier in unserer geldgeilen Zeit. Wir glauben, das nicht alles eine Frage der Finanzen sein sollte; viele von uns tun das alles „für Gottes Lohn", falls sie mit diesem altmodischen Ausdruck etwas anfangen können.

 

Hier die drei Antworten auf die heißen Fragen an die Berufsfeuerwehr:

Zu 1. Ja, wir sind beinahe alle Beamte. Wir haben nämlich einen Diensteid abgelegt, im Ernstfall auch für sie unseren Hintern hinzuhalten. Würden wir auch glatt machen. Haben wir auch schon gemacht. Wo andere rausrennen, rennen wir rein. Ein Angestellter kann im Ernstfall seine Brotbüchse und Thermoskanne einpacken und gehen. Ein Beamter nicht. Der kann bleiben müssen, auch wenn ringsum die Welt einstürzt. So einfach ist das.

Zu 2. Ja, wir haben freie Zeit auf der Feuerwache. Tagsüber kaum, denn dann sind wir am lernen, reparieren, putzen. Abends und nachts dürfen wir fernsehen und schlafen. Falls sie das komfortabel finden, lade ich sie zum Mitschlafen ein. Erwarten sie kein Wellness-Hotel und lassen sie ihre Augenklappe zuhause. Sonst würden sie nämlich das Alarmlicht verpassen. Bleiben sie halb angezogen, stellen sie ihre Stiefel nebens Bett und bereiten sie sich darauf vor, durch eine Neonröhre und einen mörderischen Gong aus dem Tiefschlaf geholt zu werden, um nach Minuten eventuell alles zu beherrschen, was sie jemals gelernt haben. Wenn sie das zwanzig Jahre ohne Herzprobleme mitmachen – Glückwunsch!

Zu 3. Wir werden in demselben Maß älter, wie der Rest unseres lieben Vaterlandes. Aber: Unsere älteren Kollegen sind meist erstaunlich fit für ihr Alter. Was trotzdem an Sportlichkeit nachlässt, kann oft durch Erfahrung wett gemacht werden. Außerdem haben wir Schonplätze, auf denen voller Körpereinsatz seltener oder weniger gefordert ist. Wie sich dieses Thema entwickeln wird, wenn unser Pensionsalter angehoben wird, kann ich ihnen auch nicht sagen. Sollten sie einmal ein Löschfahrzeug mit einem Aufkleber antreffen, „Helfen sie uns aussteigen – wir helfen ihnen löschen!", sollten sie der Aufforderung nachkommen.

Zum Schluss möchte ich eine Einladung aussprechen: Kommen sie uns besuchen! Feiern sie mit, saufen sie mit, verdienen sie mit! Gerne bestätigen wir auch mit einem hübschen Stempel ihre Vorurteile.

Ich grüße sie mit dem weltweiten Feuerwehrgruß: Horrido und Weidmanns Heil!
Jens Müller


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