Mit einem Vorwort von Hermann Schröder (Landesbranddirektor Baden-Württemberg)
Leseprobe
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Es ist schon einige Jahre her; ich saß in einem Dresdner Hotel und lauschte einem Vortrag von Dr. Siegfried Buchholz, ehemaliger BASF-Generaldirektor und Managementberater. Die wichtigste charakterliche Qualifikation einer Führungskraft sei Nächstenliebe. Wer Menschen nicht lieben könne, könne sie auch nicht führen. Führung und Leitung seien zwei grundverschiedene Dinge und Führungsarbeit bestehe zu achtzig Prozent aus Charakter und nur zu zwanzig Prozent aus Fachwissen.
Heute, nach drei Jahren Beschäftigung mit dem Thema „Feuerwehrzukunft" und ein wenig mehr an eigener Lebens- und Führungserfahrung, kann ich diese Thesen nur bejahen. Nach dem Studium von hunderten Literaturquellen und unzähligen Gesprächen mit Kameraden und Kollegen über die Zukunft unserer Feuerwehren beschleicht mich der Gedanke, dass sich auch unsere Probleme der Gegenwart nur zu zwanzig Prozent durch Fachwissen und zu achtzig Prozent durch Charakterstärke lösen lassen.
Die von mir durchgeführte Online-Befragung von 1.000 deutschen Feuerwehrleuten bestätigt dieses Bild: Die „harten", d.h. messbaren Faktoren (Tageseinsatzbereitschaft, Funktionsträgermangel, Finanzsorgen) sind ein Teil unserer Probleme, die „weichen" Faktoren (Zwischenmenschliche Probleme, Generationenkonflikte, Führungsfehler) ein anderer. Letztere werden jedoch schneller als gegeben und viel seltener als Gestaltungsfeld wahrgenommen.
Macht man die Führungsprobleme in den Freiwilligen Feuerwehren an der Gliederung des Führungssystems nach der Dienstvorschrift 100 fest, ergeben sich im Detail folgende Schwerpunkte:
1.Führungsorganisation: Im Einsatzfall begegnen uns regelmäßig zwei Extreme: Erstens der Führungskräftemangel und zweitens der Massenanfall von Führungskräften. Auch bedingt durch die kommunale Selbstverwaltung kommt im ländlichen Raum eine wirklich anforderungsgerechte Führung selten zustande. Im Dienstalltag können viele Führungskräfte nicht delegieren und ihre Organisation der Aufgaben und Projekte nicht den Anforderungen der Praxis anpassen.
2.Führungsvorgang: Der Führungsvorgang nach FwDV 100 wird in den seltensten Fällen wirklich angewendet; Einsatzentscheidungen werden aus dem Bauch heraus getroffen. Dies wäre akzeptabel, wenn nicht die Lebenserfahrung und die Erkenntnisse der Psychologie uns von der Fehlerhaftigkeit solchen Vorgehens überzeugen würden. Im Dienstalltag werden die Stufen des Führungsvorgangs selten alle durchlaufen; d.h. es wird zu wenig abgewägt, zu zaghaft entschieden, zu selten kontrolliert, als falsch erkanntes zu unbeherzt geändert.
3.Führungsmittel: Besonders bei aufwachsenden Lagen halten die Mittel den Aufgaben nicht mehr stand. Es fehlt in der Fläche an Technik, an Planung, an finanziellen Mitteln. In den Köpfen vieler Verantwortlicher scheinen bestimmte Szenarien nicht einmal vorzukommen, die uns schneller treffen können, als uns lieb ist. Im Dienstalltag müssen Führungskräfte immer noch um Telefon- und Internetanschlüsse kämpfen; es fehlt an durchdachten Hilfen für eine effiziente Verwaltungsarbeit, aber auch an der Bereitschaft, die vorhandenen Möglichkeiten im Informationszeitalter auszunutzen.
Was in dieser Auflistung gänzlich fehlt, ist ein vierter, hochwichtiger Punkt: das Führungsverhalten, das als Lehrthema im Feuerwehrbereich ein Schattendasein fristet. Dies ist sicher weniger ein Versäumnis der Kreisausbilder und hauptamtlichen Lehrkräfte im Feuerwehrwesen, sondern liegt an der schwierigen Vermittelbarkeit der entsprechenden Inhalte mit Powerpoint und in kurzen Zeiträumen. Vielleicht ist dieser Bereich der Führungsarbeit auch eher eine Kunst, denn ein Handwerk. Die gute Nachricht: Jedes Kunstwerk hat auch einen handwerklichen Anteil, der von jedermann mit etwas Geschick und gutem Willen erlernbar ist. Und dieser gute Wille wird in aller Regel von den Geführten honoriert werden.
Was zumindest für mich bleibt, sind folgende Erkenntnisse:
1.Charakter kann nicht durch Methoden, Vorschriften und Techniken ersetzt werden. Es lohnt sich für jede Feuerwehr oder jeden Landkreis, das Thema der Menschenführung jenseits der DV 100 einmal schulmäßig aufzugreifen. Ein Wochenendseminar kann ein Anfang sein.
2.Die oben genannten Mängel sollten dort, wo es geht, beseitigt werden. Den Systemfehlern wird die Führungskraft vor Ort nicht abhelfen können. Es geht lediglich darum, im eigenen Einflussbereich die Voraussetzungen für erfolgreiche Führung zu schaffen. Richten Sie im Gerätehaus eine Führungsstelle ein, machen Sie aus ihrem MTF einen ELW, tragen sie ein Einsatzleiterhandbuch zusammen, kaufen sie farbige Westen, unterrichten Sie wieder einmal Grundlagen der Einsatztaktik.
3.Es ist etwas ungeheuer Wertvolles, die dauerhafte Achtung seiner Kameraden zu besitzen. Die entsteht auch aus der Größe, trotz eigener Zweifel und gerade in schwierigen Zeiten Zukunftsmut und Orientierung zu verbreiten. Wenn heute etwas nötig ist, dann dieses.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!
Grundsätze erfolgreicher Führung
Selbstmanagement
Fachliche Anforderungen an Führungskräfte
Charakter und Charisma
Kommunikation nach innen und außen
Merkmale und Eignung von Führungsstilen
Ethische und moralische Grundlagen von Führung
Fördern und Fordern
Beurteilungen und Zielvereinbarungen
Inspiration und Motivation
Umgang mit Lob und Tadel
Soziale und emotionale Kompetenz
Zeitmanagement
Umgang mit Konflikten
Führen unter Überforderung
Generationenkonflikte
Vorbildwirkung der Vorgesetzten
Richtig delegieren
Führungsarbeit bei Aus- und Fortbildung
Managementtechniken
Umgang mit Miesmachern und Quertreibern
Menschenkenntnis und Typenlehre
Einzelkämpfer und Teamarbeit
Wertewandel und Werteordnung
Selbstverständnis und Außenwirkung
Disziplinarmaßnahmen
Langfristige Personalentwicklung
Überforderung und Burnout
Führungsarbeit im Wandel der Zeit