Es ist fast unmöglich, im Zuge der hohen Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern die Stellen bei der Feuerwehr in geeigneter Weise zu besetzen. Abgesehen von vereinzelten Bewerbern mit ehrenamtlichen Hintergrund und eher schlechter qualifizierten Absolventen von Schulen bzw. Universitäten ziehen alle anderen die weit bessere Bezahlung in der Wirtschaft vor.
Stützpunktfeuerwehren werden tagsüber mit Angestellten oder Teilzeitkräften besetzt, soweit sich Mitarbeiter dafür finden lassen. Aufgrund der großen Probleme im öffentlichen Dienst müssen Feuerwehren zunehmend Arbeitsleistungen auch für andere Bereiche erbringen. Immer mehr Feuerwehren führen (auch) dafür einen Wechselschichtdienst ein - bzw. werden dazu gezwungen. Immer mehr Ortsteilfeuerwehren sind nicht mehr überlebensfähig und lösen sich auf. Andere Feuerwehren schließen sich vereinzelt sogar gemeindeübergreifend zu Zweckverbänden zusammen.
Im hauptamtlichen Bereich arbeiten die Angestellten bis 67, die Beamten bis 63. Die Angestellten streiken für die Gleichbehandlung. Die Altersgrenze der Beamten wird daraufhin auf 65 angehoben. Es ist weiterhin möglich, aus gesundheitlichen Gründen früher in Rente bzw. Pension zu gehen, aufgrund der hohen Abschläge wird dies jedoch kaum genutzt.
Die Altersgrenzen für das Ehrenamt werden in den ersten Bundesländern auf 70 Jahre angehoben. Eine völlige Aufhebung der Altersgrenzen (bei Beibehaltung von medizinischen Kontrollen auf die gesundheitliche Eignung) wird offen diskutiert, nicht zuletzt nachdem es immer mehr Gerichtsverfahren von ehemaligen Führungskräften wegen „Altersdiskriminierung" gibt.
Die G 26.3 für über 60-jährige wird alle 6 Monate angeboten.
Mitglieder der Altersabteilungen unterstützen in geförderten Seniorprogrammen die Feuerwehren in bestimmten Bereichen (Kfz-Unterhaltung, Gerätehaus, Logistik, Versorgung, Kommunikation). Sie sind dafür ausdrücklich auch weiter versichert. Trotz all dieser Maßnahmen sinkt die Zahl der Mitglieder aller Feuerwehren auf unter eine Million. Die Mehrzahl findet sich immer noch in den westdeutschen Flächenstaaten und dort v.a. im ländlichen Bereich.
Das erste Bundesland verändert nach Druck aus den Gemeinden das Brandschutzgesetz dahingehend, dass Kommunen die Dienstleistung „Gefahrenabwehr" nicht mehr selbst leisten müssen, sondern sich der Leistung anderer (Kommunen oder der Wirtschaft) bedienen können. Privatunternehmen bewerben sich aber noch relativ zurückhaltend. Ein ausländischer Anbieter hat allerdings bereits mit einigen Mittelstädten einen Dienstleistungsvertrag geschlossen. Die Fachwelt protestiert - und beobachtet neugierig.
Die Bundeswehr beendet zusammen mit dem THW den 10. Auslandseinsatz zur Brandbekämpfung im Ausland. Es bilden sich immer mehr private Gruppen (teilweise auch bei Firmen oder früheren reinen Ausbildungsstätten angesiedelt), die professionelle Gefahrenabwehr ausbilden - und auch offensiv im In- und Ausland anbieten. Der DFV ist dagegen.
Zweckverbände zur Sicherstellung des Brandschutzes in weiten Bereichen werden die Regel.
Deutschlands Firmen und auch öffentliche Träger schalten seit Jahren in Südosteuropa und in Afrika Stellenanzeigen, um Personal zu gewinnen und natürlich auch, um Mitarbeiter für den öffentlichen Dienst zu finden.
Der 1.000ste Absolvent einer mehrsprachigen, von der EU geförderten Führungsausbildung an der vom THW betriebenen europäischen Gefahrenabwehrschule (EDDA = European Disaster Defence Academy) in einem ebenfalls mit Fördermitteln umgebauten Truppenübungsplatz, der auch von der Bundeswehr z.B. zur Ausbildung von Führungskräften für die ZMZ genutzt wird, erhält vom Bundesinnenminister die Urkunde mit einem Einstellungsangebot.
Die Zahl der Feuerwehrangehörigen sinkt rapide auf unter 750.000, eine Abnahme auf unter 500.000 wird für die nächsten 5 Jahre erwartet. Fast alle Bundesländer lassen Zweckverbände für die nicht-polizeiliche Gefahrenabwehr zu. Die erste Großstadt überführt das ehemalige Amt für den Brandschutz und die Technische Hilfeleistung in eine GmbH. Es gibt eine Doppelspitze aus juristischem und kaufmännischem Geschäftsführer sowie einer diesen Geschäftsführern organisatorisch und juristisch unterstellten Führungskraft mit einer Fachausbildung. Die ersteren beiden erhalten ein frei ausgehandeltes Gehalt auf Basis der üblichen Vergütungen ähnlicher Betriebe, der „Fachmanager" wurde vor Jahren als Beamter eingestellt und weiter als solcher bezahlt.
Nach ausländischem Vorbild wird der Katastrophenschutz radikal umgebaut und professionalisiert, weil sich nicht mehr annähernd genug ehrenamtliche Mitglieder finden, um auch nur den Schein aufrecht zu erhalten. Bei der weiteren Entwicklung zeichnen sich immer mehr drei grundverschiedene Wege ab, die je nach politischer Strömung und der in den jeweiligen Bundesländern in den letzten 12 Jahren gestellten Weichen weiter verfolgt werden - und die massiv gegeneinander verlaufen. Dies liegt nicht zuletzt an den wirtschaftlichen bzw. politischen Interessen. Es kommt zu immer heftigeren Auseinandersetzungen auch in der Facharbeit der Verbände. Die eine Seite favorisiert eine Verknüpfung mit der Polizei sowohl in der Fachaufsicht, in den Leitstellen, wie mit einigen Sondereinheiten (z.B. zur Logistik), eine weitere verfolgt die weitere Privatisierung, der dritte Bereich versucht am alten Modell festzuhalten.
Muss das so kommen? - Nein, aber völlig unwahrscheinlich ist das alles leider nicht!
Die Gefahrenabwehr in Deutschland - und hier insbesondere die nichtpolizeiliche - steht vor großen Herausforderungen. Plakativ will ich diese hier kurz beschreiben, ohne jeweils im Detail darauf einzugehen. Das ist entsprechenden tieferen Untersuchungen bzw. Darstellungen vorbehalten, die es übrigens gerade für die Feuerwehr u.a. mit mehreren Hausarbeiten (z.B: BRÜNING, 2004; EBNER, 2006) teilweise bereits gibt, aber kaum bekannt sind.
Es lassen sich insgesamt v.a. soziale, demographische, standortspezifische, wirtschaftliche, fachliche, aber auch rechtliche Faktoren als Ursachen für die Herausforderungen benennen. Diese stehen miteinander in Wechselwirkung - teilweise verstärken sie sich sogar.Soziale Veränderungen führen dazu, dass es schon seit einigen Jahren schwieriger geworden ist - und noch schwieriger werden wird - Nachwuchs zu gewinnen - und noch mehr zu halten. Dies betrifft v.a. Leistungsträger, die heute einer Vielzahl an Forderungen genügen müssen, die aus Beruf, Familie und eigenem „Erlebens-" bzw. Verwirklichungsansprüchen kommen. Es sind bis 2008 bereits mehrere Standorte bzw. Feuerwehren in verschiedenen Bundesländern nur deswegen geschlossen worden, weil es über einen längeren Zeitraum unmöglich war, einen Wehrführer (Kommandant o.ä.) zu finden. Dieses Problem wird sich künftig immer weiter verschärfen!
Demographische Faktoren wurden in den letzten Jahren viele diskutiert und erforscht. Die geburtenschwachen Jahrgänge führen in immer mehr Standorten zu immer größeren Nachwuchsproblemen. Ein großes Problem wird die durch diese Faktoren zunehmende Konkurrenz um die insgesamt und dauerhaft immer geringeren Personalressourcen werden.
Die Verschiebung der Alterspyramide führt außerdem auch bei den Feuerwehren zum Anheben des Durchschnittsalters und damit u.U. sogar zur Überalterung des Einsatzpersonals. Dies belastet die verbleibenden Kräfte immer mehr.
Standortspezifische Faktoren stellen einen Sonderfall dar. Diese können aufgrund von z.B. gesellschafts- bzw. industriepolitischen Entscheidungen (z.B. Verlagerung/Abschaffung von Arbeitsstellen, Freizeit- bzw. Kinderbetreuungsangebote, (dann oft mit) Wanderungs- bzw. Migrationsbewegungen) die sozialen bzw. demographischen Probleme verstärken - in seltenen Fällen auch abschwächen. In strukturschwachen Regionen kommt es immer mehr dazu, dass es - abgesehen von „Fläche" - weder noch nennenswerte zu schützende bzw. erhaltenswerte Objekte oder gar Risiken gibt, noch dafür notwendiges Personal. In vielen Fällen führen diese standortspezifischen Faktoren in ihrer „einfachen" Form dazu, dass die Tagesalarmproblematik durch Berufspendler immer größer wird.
Mögliche Gegenmaßnahmen für die Probleme mit eher personellen Ursachen bzw. Folgen:
Je weniger die oben ausdrücklich mit „!" gekennzeichneten Punkte greifen, umso früher treten bezahlte bzw. hauptamtliche Lösungen als einzig verbleibende Lösungen in den Fordergrund
Wirtschaftliche Faktoren ergeben sich aus den immer größer werdenden Unterschieden in den Leistungsfähigkeiten der Träger, wobei die Zahl von Gemeinden, die nahe der Zahlungsunfähigkeit stehen mit jeder Konjunkturdelle - und damit reduzierten Steuereinnahmen - steigt. Gleichzeitig werden die volkswirtschaftlichen Ausgaben für andere Bereiche (z.B. Rente, Gesundheit, Pflege) künftig stärker steigen müssen, um zumindest annähernd das gleiche Niveau in der Alters- bzw. Krankenversorgung und Altenpflege bieten zu können. Die Ausgaben für Kindererziehung bzw. -betreuung bzw. Bildung sollen stärker als bisher steigen, um mehr Geburten zu erzielen und im vernetzten Weltmarkt bestehen zu können. Viele andere Kosten v.a. der Gemeinden steigen ebenfalls häufig weit stärker als deren Einnahmen. Dies führt dazu, dass es in der breiten Masse unwahrscheinlich erscheint, die Mittelplanungen für die Gefahrenabwehr nennenswert steigern zu können. Parallel dazu stiegen in den letzten Jahren die Kosten dafür aber massiv an.
Die Einsatzfahrzeuge haben sich teils drastisch verteuert (was nicht zuletzt an einer besseren Ausrüstung und einer dadurch bedingten Verschiebung der Leistungsfähigkeit liegt). Die seit Jahrzehnten ausufernden Fahrzeugkosten haben allerdings auch ihre Ursachen in immer mehr verschiedenen Typen und v.a. Bauvarianten. Dies bedeutet eine drastische Steigerung der Investitionskosten mit, aufgrund der geringeren Lebenserwartung komplexerer technischer Systeme in kürzeren Produktionszyklen, weit höhere jährliche Abschreibungen. (Dies wird auch zur Schließung von Standorten führen, weil einfach nicht mehr genug Geld für Ersatzbeschaffungen vorhanden sein wird!) Die höhere Komplexität erhöht außerdem die Ausbildungs- und Unterhaltskosten!
Die Personalkosten sind gestiegen und werden durch arbeitszeitrechtliche Vorgaben für den Schichtdienst und ggf. zunehmende Ausbildungsanforderungen (vgl. Diskussion um die dreijährige RettAss-Ausbildung) vermutlich weiter überdurchschnittlich steigen. Gleichzeitig ist die öffentliche Hand in weiten Bereichen (v.a. Führungskräfte oder gut ausgebildete Handwerker) bereits heute mit Angeboten aus der Wirtschaft nicht mehr konkurrenzfähig.
Mögliche Gegenmaßnahmen für die Probleme mit eher finanziellen Ursachen:
Fachliche Faktoren führten in den letzten Jahrzehnten zu einer weit höheren Komplexität und zunehmendem Umfang an Tätigkeiten v.a. bei den Feuerwehren. Bot hier der „Allround-Feuerwehrangehörige" anfangs große Vorteile, kehrt sich das nun ins Gegenteil um. Immer aufwändigere technische Geräte in einem komplexeren Umfeld (s. rechtliche Faktoren) erfordern weit mehr von der Organisation und von jedem Einzelnen, als die meisten (damals in noch - bzw. v.a. - „reinen Feuerwehren"!) vor 30 Jahren noch leisten mussten. Dies ist im ehrenamtlichen Bereich aufgrund eher kürzerer Verweilzeiten bzw. geringen Anwesenheitszeiten bei hauptamtlichen Kräften immer weniger leistbar. Aufgrund der dadurch automatisch bedingten i.d.R. geringeren Erfahrungsmöglichkeiten jeder Einsatzkraft steigen die Ausbildungsaufwendungen (damit sinken die Verfügbarkeiten noch weiter, während die Kosten nochmals steigen). Mittelfristig ist hier m.E. mindestens eine Formulierung von europaweiten Anforderungen an die Qualifikation zu erwarten. Diese dürfte im Bereich der „Mannschaften" deutlich geringer ausfallen als bisher in Deutschland im mDFeu üblich, während ab Fahrzeugführer aufwärts zunehmend eher höhere wahrscheinlich sind.
Die Entscheidungswege im föderalen System sind für Fachfragen viel zu kompliziert. Eine zeitnahe Reaktion ist oft nicht möglich. Allerdings ist eine übergreifende Reaktion auch heute noch von vielen Feuerwehren oder Führungskräften gar nicht gewollt, weil man um eigene Möglichkeiten oder „Hoheiten" fürchtet.
Mögliche Gegenmaßnahmen für die Probleme mit eher fachlichen Ursachen: