Feuerwehr-First-Responder

Eine erfolgreiche Idee aus Schweden

Von Dr. Jens Müller

Häuser in SchwedenBei einem Besuch in der Feuerwehr Sävsjö im schwedischen Småland stieß ich auf eine interessante Idee, die das Ziel hat, die Eintreffzeit der Feuerwehr zu verkürzen und bei einem Einsatz entscheidende Erstmaßnahmen in die Wege zu leiten. In Schweden gibt es keine gesetzlich garantiert Hilfsfrist. Natürlich weiß man aber auch hier um die Wichtigkeit des Zeitfaktors gerade in der Anfangsphase von Einsätzen und ist bemüht, personelle und materielle Schäden zu minimieren.

Die Ursprungsregion der Idee

Die Feuerwehr Sävsjö ist zuständig für das gleichnamige Gemeindegebiet, das verglichen mit deutschen Gemeinden relativ groß ist. Es beinhaltet eine Kerngemeinde und zahlreiche verstreute Dörfer, Ansiedlungen und Einzelgebäude und –gehöfte. Die Landschaft ist flach und umfasst v.a. ausgedehnte Waldgebiete und viele Seen. Die Feuerwehr Sävsjö beschäftigt drei Hauptamtliche und etwa dreißig Freiwillige Feuerwehrmänner. Der Fuhrpark entspricht etwa einem deutschen Löschzug mit einem Großtanklöschfahrzeug für die Waldbrandbekämpfung und wenigen Spezialfahrzeugen. In der Wache ist außerdem eine Besatzung für einen Rettungswagen untergebracht; eine Stellfläche ist angemietet.

Die Details der Idee

Die schwedische Bezeichnung des Konzepts ist „Första Insats Person (FIP)" und lässt sich sinngemäß als „Feuerwehr-First-Responder" bezeichnen. Nach Auskunft der Feuerwehr Sävsjö kann jede Einsatzkraft diese Aufgabe übernehmen; regulär wird aber eine Führungskraft aus den unteren Führungsebenen eingesetzt. Praktiziert wird das Verfahren über das ganze Jahr, nicht etwa nur an speziellen Tagen, Wochentagen oder Uhrzeiten. Als Einsatzfahrzeug dient dem First-Responder ein Pkw der Feuerwehr, im Falle von Sävsjö ein VW Caddy.

Die Aufgaben des First-Responders

Die Feuerwehr (schwedisch "brandkår") in SävsjöNach Eintreffen an der Einsatzstelle gehört zu den ersten Aufgaben eine qualifizierte Lagemeldung, die wiederum eine Planungsgrundlage für die Leitstelle darstellt. (Die zuständige Leitstelle für Sävsjö ist Jönköping.) Je nach Dringlichkeit werden vor oder nach der Lagemeldung Erstmaßnahmen ergriffen, die einer Schadensausweitung zuvorkommen sollen. Dazu gehören z.B. das Stoppen einer lebensbedrohlichen Blutung, das Absicherung einer Unfallstelle, der Einsatz eines Handfeuerlöschers oder die Evakuierung eines Gebäudes im Rahmen der Möglichkeiten.

Die Ausrüstung des First-Responders

Obwohl der Zeitfaktor eine große Rolle spielt, rüstet sich der teilnehmende Feuerwehrmann in jedem Fall mit seiner mitgeführten persönlichen Schutzausrüstung aus. Im Fahrzeug werden einige Ausrüstungsgegenstände und Gerätschaften für den Ersteinsatz mitgeführt. Dazu gehören Feuerlöscher, eine Leiter, Handwerkszeug, Warngeräte und Defibrillator.

Der gegenwärtige Stand

Der eigentliche Geburtsort der Idee ist „Jönköpings län", also die Region Jönköping, zu der auch Sävsjö gehört. Hier wird das Konzept in jeder Gemeinde praktiziert und von den Beteiligten und Verantwortlichen als „praxisbewährt" eingestuft. Im gesamten Schweden hat sich die Idee noch nicht durchgesetzt. Jedoch findet das Modell gegenwärtig immer weitere Verbreitung. Zur Zeit werden auch alle schwedischen Feuerwachen mit Defibrillatoren ausgestattet.

Die Übertragbarkeit auf Deutschland

Die Feuerwehr (schwedisch "brandkår") in SävsjöAuch in Deutschland existieren mittlerweile mehr und mehr die Randbedingungen, die ein solches Konzept als sinnvoll erscheinen lassen. Nach Gebietsreformen entstehen größere Gemeinden mit ausgedehnten und dünn besiedelten Flächen. Mit den Vorteilen der Idee ließe sich eine lange Liste erstellen. Als ein zentraler Punkt sei nur die zügige Schaffung einer Planungssicherheit für die Leitstelle genannt, die wiederum auch Vorteile für die einzelne Feuerwehr erbringt. Die derzeit vorhandenen rechtlichen Rahmenbedingungen lassen die Einführung eines solchen Systems zu und viele Feuerwehren verfügen auch über ein geeignetes Fahrzeug.

Mein Vorschlag

  • Diskussion der Idee in den einschlägigen Feuerwehrforen im Internet
  • Bearbeitung im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit
  • Erprobung in einigen Modellfeuerwehren in verschiedenen Bundesländern

Ihren Kommentar hinzufügen

Ihr Name:
Ihre E-Mail:
Betreff:
Kommentar:
  Bild, welches den Sicherheitscode enthält
Sicherheitscode:

Home | RSS Feed Powered by Joomla | Forex Trading Template by mcF | CSS | XHTML

Top